RESPEKT! im Vertrieb und im Recruiting

Dieser Artikel handelt von einer Grundtugend, welche anscheinend – und natürlich nur in vereinzelten Fällen – uns Menschen abhanden gekommen zu sein scheint. RESPEKT! Als Vertriebler und Recruiter sehe ich hier auch beide Seiten der Medaille und als Angestellter, sowie als Kunde ebenfalls. Über das Thema Respekt gibt es natürlich tausende von (Blog-) Artikel, Fachbücher und Vorträge, daher nenne ich hier einfach mal ein paar passende Anekdoten aus meiner Umgebung und empfehle gerne auch den Newsletter von Frau Bettina Schöbitz, welche sich als „Die Respektspezialistin“ diese Nische in der Beratung herausgesucht hat. Wobei es schon respektlos von mir erscheinen mag, eine Grundtugend als Nische zu bezeichnen.

Wasserspeier - Burgruine Helfenstein
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Wasserspeier – Burgruine Helfenstein

Auslöser für diesen Artikel sind diverse Diskussionen bei XING im Bereich Recruiting & Bewerbung, sowie meiner Beobachtungen in der Münchener U-Bahn oder auch meiner leidensvollen Autofahrgenossen (m/w), die unserem Familien-Kombi-Hybrid eines japanischen Autoherstellers hinterherkutschen müssen. Sie ahnen schon etwas? Respekt begegnet oder sollte einem eigentlich überall im täglichen Leben begegnen. Wenn nur das Wort „eigentlich“ nicht wäre.  😉

In der U-Bahn kann man den menschlichen Herdentrieb und dessen rücksichts- & respektlose Art noch am direktesten erfahren. Ja, es gibt einige aufmerksame Fahrgäste, aber wer sich morgens zur Rush-Hour oder zu Fussball-Allianz-Arena-Zeiten einmal am „Sendlinger Tor“ zu einer anderen U-Bahnlinie durchkämpfen musste weiß, was hier gemeint ist. Unverhofft branden einem die Menschen auf den Treppen entgegen und weder die ältere Dame, noch die Mutter oder der Vater mit dem Kind oder Kinderwagen haben da eine Chance. Da komme ich mir jeden Morgen wie der letzte Mohikaner vor, da ich auf meine Umgebung aktiv achte und lieber nach dem Motto „Leben und leben lassen!“ den Umstieg hinter mich bringe. Oft habe ich mir da schon gedacht, dass man hier nicht nur die sog. Sperrfelder vor den Treppen erweitern sollte (das sind an der Haltestelle hier so lustige blau-schraffierte Flächen mit dem Hinweis, dass man hier nicht im Weg stehen sollte,) sondern vielmehr die Treppen nochmal ganz klar mit Auf- und Abgang kennzeichnen müsste. Bestenfalls mit einem Trenngeländer genau in der Mitte. Ja, wo kein Respekt mehr ist, da muss man halt die Lämmchen vorsichtig auf den richtigen Weg bringen. Aber OK, dass ist ein ganz profanes Beispiel jetzt.

Bei XING lese und erreichen mich oft Fragen aus dem Recruiting bzw. Bewerbungsumfeld, ob eine Bewerbung nun so oder so besser formuliert sei. Sehr gerne verweise ich dann in Einzelcoachings auf den Umstand, dass es eigentlich immer eine Frage des Respekts ist. Wie respektvoll gehen Unternehmen oder Personaler mit Ihren bewerbenden Talenten um? Geben wir uns die Mühe einer Eingangsbestätigung? Bekomme ich auch eine Absage? Traut man sich ein bisserl Feedback zu – in Einzelfällen? Sorge ich mich um ein nachhaltiges Recruiting? Gebe ich Recruitern die Möglichkeit und die Freiheit den Kontakt warm zu halten? Lese ich die Unterlagen nicht nur mit 100%-fehlerfrei-Hardcore-Methode, sondern habe ich Interesse den Menschen hinter der Unterlage zu erkennen? Bin ich bereit zu akzeptieren und zu respektieren, dass jedes Talent einen eigenen Werdegang hat, der auch mal vom klassischen Weg wegführt? Ist mir klar, dass eigentlich jedes Talent (jeder Mensch) gewissermaßen ein Unikat ist? Und nehme ich Diversity Management oder Teambuilding auch wirklich an – lebe ich dies ggf. sogar vor?

Respekt begegnet einem aber auch im Vertrieb jederzeit. Erst letztlich musste ich einen aufgebrachten Geschäftsführer beruhigen, der unglaublich aufgeladen und sauer war. Nach ein paar sachlichen, aber interessierten Rückfragen kamen wir schnell zum wahren Kern der Aufregung. Das wichtigste in dem Moment: zuhören, sachlich bleiben, ausreden lassen, auskotzen lassen, Angriffe tolerieren und Zeit investieren. Oftmals sind es nur Minuten, die einem in der Situation wie Stunden vorkommen mögen. Letztlich lief das Geschäft aufgrund einiger personeller Vorgänge (mehr darf ich aus rechtlichen Gründen nicht sagen) ziemlich chaotisch. Gefehlt hatte aber nur ein gültiges Login zu seiner Internetseite und das Problem war in Sekunden praktisch gelöst. Und der Ärger … war natürlich schon vergessen und die Sachebene wieder sicher erreicht. Als respektvoller Mensch bin ich hier auch nicht nachtragend, denn so etwas kann jedem von uns mal so gehen. Jeder ist auch mal Kunde und hat gewisse Ansprüche.

Als positive Anekdote noch ein Service-Erlebnis der anderen Art aus dem Hause Amazon. Denn kürzlich versagte ein MP3-Download bei mir und die Seiten bzw. Apps im dortigen Shop sind momentan nicht gerade einfach zu überschauen. Mehrere Versuche und ein Blick in die verschachtelten Hilfe-FAQs brachten auch keine Hilfe. Also den direkten Kontakt gesucht und siehe da, ein freundlicher Mitarbeiter aus dem Support stand zum Live-Chat bereit. Neben einer sehr professionellen, aber trotzdem auch persönlichen Begrüßung ging der Mitarbeiter (André …) ans Werk und konnte das Problem direkt lösen. Er entschuldigte sich für das Problem und hat sauber, sowie strukturiert durch das Chat geführt. Dafür gab es eine Top-Bewertung von mir und eine freundliche Verabschiedung mit persönlichem Dank an Ihn. Und diese Erwähnung an dieser Stelle.

Das Respekt übrigens nicht immer üblich ist, zeigte ein Kontakt zu einer Consumer-Credit-Bank, welche ich anrufen musste, da man einige Zinsen aus früheren Verträgen zurückholen konnte. Die Dame am Telefon wurde geradezu emotional als Sie merkte, dass ich zu keiner Zeit respektlos wurde, Ihr die Zeit zum ersten Clearing gab und einfach höflich blieb. Sehr viele Kunden seien Ihr gegenüber derart ausfällig geworden und setzten Sie permament als „die Bank“ ein, die doch so unglaublich böse sei. Selbst persönliche Beschimpfungen musste die Dame über sich ergehen lassen. Ich entgegnete da nur sehr offen und ehrlich, wie man nur darauf käme das zu tun, denn Sie müsse wohl leider gerade den Kopf bzw. das Ohr hinhalten und die Anfragen annehmen. Nicht mehr und nicht weniger. Aber das ist kein Grund, Callcenter- oder Support-Mitarbeitern respektlos und unfreundlich zu begegnen.

Ich schließe den Artikel übrigens noch mit einem freundlichen Gruß an die Damen und Herren, welche uns am Wochenende mit Lichthupen, Drängeleien und gefährlichen Überholmanövern ziemlich respektlos im Straßenverkehr begegneten. Nein, ein Auris Touring Sports Hybrid trägt kein „Ich bremse extra für dich!“-Schild am Heck, sondern dort steht nur Hybrid Synergy Drive. Details kann man gut der Wikipedia entnehmen und es gelten auch weiterhin Richtgeschwindigkeiten in Ortschaften unterhalb 60-70 km/h. Aber im Straßenverkehr ist es wie in der U-Bahn, da kommen die tiefsten menschlichen Jagd- und Fluchtinstikte wieder hoch. Respekt – ach was, ich muss voran, egal was (da von vorn) auch kommt.

Bevor ich jetzt meinen letzten Spruch im vorherigen Absatz zu einer eigenen Analogie für werdende oder besonders erfolgreiche Führungskräfte ausbaue, ist nun wirklich Schluss. Bitte, schenken Sie sich und Ihrer Umgebung etwas mehr Respekt und Sie werden merken, dass kommt auch mal zurück. Dann macht man sich das Leben im Recruiting und Vertrieb schon etwas einfacher und eventuell folgt so gar der ein oder andere Erfolg von selbst.

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